Hochwertige Granulate aus Folienverpackungen

31. Oktober 2018 Alle Artikel, Die APK in den Medien

Dank ihres innovativen Verfahrens können die 90 Mitarbeiter der APK AG in Merseburg Kunststoff-Folienverpackungen so weit recyceln, dass neuwertige Kunststoffe entstehen. Die Nachfrage ist da – neue Produktionsanlagen entstehen im Chemiedreieck im südlichen Sachsen-Anhalt.

Stoffkreisläufe werden entwickelt

Gemischte Kunststoffabfälle werden demnächst tonnenweise bei der APK Merseburg angeliefert. Sortenreine Kunststoffe verlassen den Betrieb. Jahrelange Forschungsarbeit steckt hinter dieser Verwandlung, die die verschiedenen Kunststoffarten in den Folienverpackungen zu separieren vermag.

Die Merseburger haben es geschafft, mit Hilfe eines mehrstufigen lösemittelbasierten Verfahrens die Stoffe so zu trennen, dass z. B. Polyethylen und Polyamid in fast reiner Form gewonnen werden und kaum Reste übrigbleiben. Unter dem Namen Mersalen und Mersamid – die Bezeichnungen wurden als Referenz an den Standort Merseburg gewählt – sind die Kunststoffe inzwischen auf dem Markt.

Newcycling heißt das Verfahren, das auf Stoffkreisläufe setzt. So wird beispielsweise das Lösemittel in einem kontinuierlichen Kreislauf gereinigt und wiederverwendet, sagt Florian Riedl. Der Leiter Business Development Newcycling bei APK unterstreicht: „Regranulate aus dem Newcycling-Prozess können wieder in anspruchsvollen Anwendungen, wie z. B. flexiblen Verpackungen eingesetzt werden und auf diese Weise neu hergestellte Kunststoffe ersetzen.“ Ressourcenschonung durch stoffliche Wiederverwertung.

Den Ritterschlag, die Zulassung für die Lebensmittelindustrie, hat APK zwar noch nicht erhalten. Doch die Nachfrage aus der Industrie nach hochwertigen Granulaten ist groß, national und international. Brand Owner und die Verpackungshersteller sind vorrangige Kunden für Mersalen (LDPE). Es umhüllt beispielsweise Wasch- und Reinigungsmittel. „Da derzeit im Allgemeinen noch sehr wenige LDPE-Regranulate in flexiblen Verpackungen eingesetzt werden, erschließen wir damit einen neuen Markt“, sagt Florian Riedl. Das Mersamid (PA) werde überwiegend in technischen Anwendungen verwendet.

Neue Herausforderung: Kunststoff aus Haushalten

Newcycling entwickelte APK parallel zur traditionellen mechanischen Verwertung von Kunststoffabfällen. Derzeit wird in Merseburg die erste kommerzielle Newcycling-Anlage gebaut. Sie hat eine Kapazität von 8.000 t/a und geht Ende 2018 in Betrieb. Die Mitarbeiterzahl wächst damit auf bis zu 120. Und APK bildet selbst aus, um Fachkräfte zur Verfügung zu haben. Denn APK will weiter wachsen. Es steht bereits fest, dass in eine zweite Anlage mit einer Kapazität von mindestens 25.000 t/a investiert wird. Diese soll Abfälle aus Haushalten aufbereiten und Ende 2020 fertig sein. Bisher liefert nur die Industrie ihre Kunststoffabfälle an.

Haushaltsabfälle würden eine besondere Herausforderung darstellen, weiß Florian Riedl, denn ein großer Teil sei sehr bunt gemischt. Auch mittels moderner Sortieranlagen sei eine vollständig sortenreine Trennung der Kunststoffarten nicht wirtschaftlich. So werden dann vor allem die kleinformatigen Folien diverser Kunststofftypen zu einer gemischten Restfraktion zusammengefasst. Solche Mischungen landen bisher meist in der Müllverbrennung oder werden zu Regranulaten verarbeitet, die nur für qualitativ geringwertige Anwendungen wie Parkbänke einsetzbar sind. „Mit dem Newcycling-Verfahren kann sogar diese gemischte Fraktion wieder hochwertig aufbereitet werden“, erläutert Florian Riedl die neue Qualität, die die Merseburger bieten wollen.

Der Markt verlangt hochwertiges Regranulat

Mit der geplanten Anlage helfen sie, die neuen, hoch angesetzten gesetzlichen Quoten für die stoffliche Verwertung von Verpackungsabfällen aus Haushalten zu erfüllen. Sie sollen binnen drei Jahren von jetzt gut einem Drittel auf 63 % gesteigert werden. Es ist zu erwarten, dass nicht zuletzt durch EU-Vorgaben die Quote weiter erhöht werden wird. Angesichts von mehr als drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen im Jahr allein in Deutschland stellt die geplante Merseburger Kapazität lediglich einen Anfang dar.

Die Erweiterungspläne stehen nicht nur wegen gesetzlicher Vorgaben auf soliden Füßen. Denn der Markt fragt immer mehr nach höherwertigeren Regranulaten. Die Brand Owner und Verpackungshersteller haben sich selbst zum Ziel gesetzt, den Anteil an Regranulat massiv zu erhöhen. Damit dies gelingt, werden vor allem hochwertige Regranulate benötigt, ist Florian Riedl überzeugt. Daher würden neue innovative Recyclingmethoden gebraucht, welche auch aus minderwertigen Abfallströmen hochwertige Produkte gewinnen – wie Newcycling aus Mitteldeutschland.

 

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